Das Altauto-Syndrom

Im Bereich von „Krankheiten“ und „Seuchen“ merken wir oft nicht, mit welch aberwitzigen Theorien wir an der Nase herumgeführt werden, (a) weil es vermeintlich um unsere Gesundheit und unser Leben geht und wir in dieser Hinsicht oft feige sind und (b) weil die Sachverhalte hier hinter komplizierten lateinischen und griechischen Fachbegriffen oder dubiosen Abkürzungen verborgen werden. Ich klage nicht an, aber ich fordere Ethik! Ich fordere seriöses wissenschaftliches Arbeiten, aufrichtiges Bemühen der Verantwortlichen, ich fordere Heilung, die sich in Geheilten ausdrückt, nicht in zu Tode Therapierten! Es kann nicht angehen, dass Millionen Menschen für dumm verkauft werden, Millionen Betroffene mutwillig dem Sensenmann geopfert werden, nur um einerseits diejenigen zu schützen, die – aus welchen Gründen auch immer – mit der Lügerei begonnen haben und andererseits denjenigen die Pfründe zu sichern, die mit dem Betrug Unsummen verdienen. Es kann nicht angehen, dass Milliarden Steuergelder keine Ergebnisse liefern! Dass die unter dem AIDS-Katalog zusammengefassten Krankheiten geheilt werden können, zeigen aufrichtig Bemühungen kompetenter Therapeuten. Auch der Umstand, dass es inzwischen viele sog. „Langzeitüberlebende“ gibt, die allesamt auf die üblichen „AIDS-Medikamente“ verzichteten, spricht eine deutliche Sprache. 

Ein Artikel aus Depesche 02/2002


Dass alte Autos rosten, ist uns wohl bekannt. Sie haben etliche Kilometer auf dem Tacho, brauchen mehr Benzin und Öl, qualmen aus dem Auspuff, am Lack gibt es Kratzer und Dellen, die Bremsbeläge sind vielleicht runter, die Reifen abgefahren, im Inneren mag es muffig riechen. 


Reine Definitionssache 

Es würde uns ziemlich wundern, wenn Kfz-Werkstätten plötzlich damit anfingen, alle diese Symptome eines alten Autos zu einem Syndrom zusammenzufassen und vom Alten-Auto-Syndrom „AAS“ oder – noch besser englisch – vom Old-Car-Syndrome OCS zu sprechen! Denn, was sollte es nützen, alle möglichen Symptome eines alten Autos zu einem Syndrom zusammenzufassen? 

Wir würden eine solche Verschrobenheit mit einem Stirnrunzeln quittieren, ihr aber keine größere Bedeutung beimessen. Was aber, wenn die Werkstätten behaupteten, wir hätten uns das Alte-Auto-Sydrom von außen zugezogen? Wir hätten uns also angesteckt! Der Wagen litte am AOCS, am Acquired* Old Car Syndrome, einem „äußerlich zugezogenen Altauto-Syndrom“. Nicht der Umstand, dass wir es ein Jahrzehnt besaßen oder viel gefahren und wenig schonend damit umgegangen sind, wäre schuld, sondern ein Neu Entdecktes Straßen-Bakterium, das sog. „NESB“.

* Acquired (engl., hier): erworben, angeeignet, sich eingehandelt, von außen zugezogen. Wortverwendung hier in Anlehnung an die Abkürzung von AIDS, das ja bekanntermaßen steht für: „Acquired Immune Deficiency Syndrome).   


Falsche Ursache 

Die Reifen seien nicht etwa deshalb abgefahren, weil sie schon 10.000 Kilometer auf dem Buckel haben, nein, das neue Straßen-Bakterium sei schuld, eben so am Rost der Karosserie sowie an sämtlichen Dellen. 

Die Industrie und die Werkstätten wollen uns in der Folge eine neue, äußerst aggressive Sprüh-Chemikalie verkaufen – als das derzeit einzig wirksames Mittel gegen das sog. „AOCS“. 

Im Bild ein typisches Opfer des neu entdeckten Straßen-Bakteriums NESB.

Im Bild ein typisches Opfer des neu entdeckten Straßen-Bakteriums NESB. Eine Impfung gegen die Seuche, die durch Stoßstangenkontakt übertragen wird, konnte bislang noch nicht gefunden werden. Die EU hat bereits weitere 666 Milliarden Euro zur Erforschung der neu entdeckten Krankheit zugesichert.

Epidemie

Weiter wird bei einer eilig einberufenen Presskonferenz (beweislos) in den Raum geworfen, das „Neu Entdeckte Straßen-Bakterium“ NESB sei ansteckend. Es handle sich „in Wahrheit“ um eine neue Autoseuche: Wenn zwei Autos, z.B. beim Einparken, an der Stoßstange aneinander träfen, würde das NESB von einem Wagen auf den nächsten übertragen. Die Stoßstangen müssten daher Kondome überstülpen.


Die „Krankheitszahlen“ in die Höhe treiben 

Doch seltsamerweise breitet sich die Seuche nicht immer schneller aus, wie sich das für eine echte Seuche gehören würde! Erfinderische Geister haben schnell eine Lösung parat:

Von ursprünglich 12 Symptomen, die das „Alte-Auto-Syndrom“, AAS, charakterisierten (Rost, Dellen, Kratzer, gefahrene Kilometer usw.) erweitert man die Liste flugs auf 30 oder noch mehr Symptome. Man nimmt die abgeknickte Antenne dazu, die heiser klingende Hupe, den defekten Scheinwerfer, ein lauteres Motorengeräusch usw. Und – schwuppdiwupp – schon gibt es auf einen Schlag viel mehr am AAS erkrankte Autos und man kann die Regierung, die Milliarden für die Erforschung des neuen Straßenbakteriums hergibt, davon überzeugen, dass die Zahl der vom „AOCS“  Betroffenen weiter sprunghaft in die Höhe steige – zumal man neuerdings auch Afrika verstärkt ins Visier genommen hat.  Mann, dort hat es lauter Autos, die am Alten-Auto-Syndrom leiden, da ist der ganze Kontinent erfasst! Bingo – auf einen Schlag haben wir da 26 Millionen neue AOCS-Betroffene. Also doch eine echte Seuche – super! (Weitere Informationen zu „AIDS“ in Afrika auf Seite 19 in  Depesche 02/2002 ).


Dubioser Test

Weil die Profiteure – allen voran Regierung, Industrie und Werkstätten – inzwischen richtig gierig geworden sind, treibt man die Entwicklung eines Tests voran – der geniale Schachzug schlechthin! 

Ein „Straßenbakterium-Test“ muss her. Hals über Kopf zusammengezimmert, misst der noch nicht einmal das Vorhandensein des Bakteriums selbst (wie sollte er auch, denn das gibt es schließlich nicht), sondern nur die Resistenz des Wagens (wie auch immer man dies macht, es ist eine seeeeeeehr komplizierte Angelegenheit, die nur „höchstqualifizierteste“ Kfz-Koryphäen verstehen). Nun können also plötzlich auch Neuwagen am AOCS erkranken. 

„Doch, doch“, der Test ist eindeutig! Niemand darf an ihm zweifeln! Autos müssen nicht alt sein, viele Kilometer auf dem Buckel oder Kratzer im Lack haben, Hauptsache der Straßenbakteriumtest fällt positiv aus. Man spricht in einem solchen Fall dann von einem „Bakterium-Positiven“ (NESB+). 

Alle Bakterium-Positiven bekämen früher oder später auch AOCS – heißt es. Weil sich der Wagen mit dem Bakterium angesteckt habe, würden eines Tages, früher oder später, auch Kratzer im Lack auftreten, die Reifen abgefahren sein usw.  Einzig, wenn man artig, regelmäßig die „von führenden Werkstätten empfohlene“ Sprüh-Chemikalie verwende, könne man das Eintreten von AOCS (vielleicht) um ein paar Monate hinauszögern. 

Seltsam mutet dabei jedoch an, dass alle „NESB-Positiven“, die ihren Wagen nicht einsprühen, erst viel später abgefahrene Reifen haben und später Rost kriegen. Als man dem auf die 

Schliche kommt, entwickeln die Spray-Hersteller eine neue Kombinationstherapie – kurz „Kombi“ genannt – mit 2, 4 oder sogar 8 verschiedenen Sprays. Jetzt „hat man ein gutes Heilmittel gegen AOCS“! Es heilt zwar nicht, kostet dafür aber einen Haufen. Ist das zynisch? Nein, das ist Business! 


Wie heilt man nun aber Autos vom „AOCS“? 

Wie heilt man etwas, das es gar nicht gibt? Antwort: Man untersucht, welches Symptom besteht und behandelt es entsprechend. Ist das Profil runter, kaufe man neue Reifen. Bei Rost parke man in der Garage und benutze Rostentferner und Lackstifte. Schließlich handelt es sich ja bei allen auftretenden Symptomen um alt bekannte Geschichten – nichts Neues. Nur das NESB war neu. Und da seine Existenz bisher nie bewiesen wurde, brauchen wir uns darum nicht zu kümmern. 

Doch selbst dann, wenn die Existenz des NESB eines Tages mit wissenschaftlichen Methoden hieb und stichfest bewiesen werden sollte, welchen Nutzen hätten wir davon? Wir wissen doch auch heute schon, wie man abgefahrene Bremsbeläge erneuert! Oder? 

Spende per Banküberweisung an

mehr wissen, besser leben e.V.

GLS Gemeinschaftsbank

IBAN: DE56 4306 0967 1248 8816 00

Verwendungszweck: „Spende“

1 €
2 €
5 €
Jetzt Spenden
 

Von am 31.05.2024


Administrator

cookie

Wir verwenden Cookies

Cookies sind kleine Datenpakete, die unsere Webseite auf Ihrem Computer speichert. Die meisten davon sind notwendig, damit die Seite funktioniert.

Ein paar Cookies setzen wir ein, um analysieren zu können wie viele Besucher unsere Seite hat und für was sich die Besucher unserer Seite am meisten interessieren. Diese anonymen Daten werden an andere Firmen übermittelt, um dort gezählt und analysiert zu werden. Für diese Cookies möchten wir sie um Ihre Zustimmung bitten.

Verarbeitung Ihrer personenbezogenen Daten findet durch Google statt.
Mehr erfahren: Datenschutzerklärung & Nutzungsbedingungen

ANALYSE- UND MARKETING-COOKIES ZUSTIMMEN
Nur notwendige Cookies