Das Glücksprinzip Nr. 4
Wahren Sie die allgemeinen Umgangsformen
Ein Artikel aus Depesche 31/2006
„Behandeln Sie andere so, wie Sie selbst gerne behandelt werden möchten“ lautet die Goldene Regel für ein glückliches Leben. Indem wir uns eine Woche lang auf eine Tugend konzentrieren, uns in ihrer Anwendung üben und andere Menschen dazu einladen, es uns gleichzutun, können wir bald die Lebensbedingungen für alle Menschen verbessern.
Der einzige Zweck dieses Artikels ist es, das Leben und Miteinander der Menschen zu erleichtern. Nichts in diesem Artikel soll andeuten, Sie würden etwas verkehrt machen. Es geht uns nicht um Regeln oder Pflichten, sondern um Lebensweisheiten, Vorschläge und Anregungen zur Verbesserung des allgemeinen Lebensglücks, denen man nach freiem Gutdünken und eigenem Ermessen folgen kann – oder auch nicht.
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In den bisherigen Folgen der Serie ging es um Dinge, die man nicht unbedingt aus dem Stegreif beherrschte, die man üben oder richtiggehend erlernen musste. Doch es gibt auch sinnvolle und wichtige Tugenden, die allen geläufig sind, bei denen wir oft nur vergessen, uns daran zu halten. Hierzu gehört die Einhaltung von Manieren und allgemeinen Umgangsformen. Weil wir Manieren oft nur mit einem gewissen innerlichen Protest einhalten – schließlich wurden sie uns als Kind auf eher unangenehmere Weise eingebläut – lohnt es sich, die Sache einmal in Angriff zu nehmen.
Manieren haben einen Sinn, nämlich das Miteinander zu vereinfachen. Sie sind Übereinstimmungen des Verhaltens, die aus der Gesellschaft kommen. Manieren gab und gibt es in allen Kulturen weltweit zu allen Zeitaltern.
Sicher möchten auch Sie gerne mit Respekt behandelt werden und empfinden es als angenehm, wenn sich ein Fremder Ihren Namen gemerkt hat und Sie später namentlich grüßt. Sie mögen es nicht, wenn Ihnen jemand ins Wort fällt oder Sie nicht ausreden lässt, oder? Betrachten Sie unsere heutige Tugend also nicht als große Herausforderung oder Lernaufgabe, sondern als Spiel. Beobachten Sie einmal, wie sich Ihr Leben verändert, wenn Sie sich gezielt an die allgemein übereingestimmten Formen halten – gerade auch im Umgang mit jenen Menschen, mit denen Sie laufend zu tun haben!
Begrüßen Sie Ihren Schatz doch einmal mit einem interessierten „Guten Morgen, Liebling!“, garniert mit einem liebevollen Bussi, anstatt mit einem vertrockneten „Mmorrrn“. Denn Manieren sind die Schmiere in der Maschinerie der Gesellschaft.
Die Ehefrau schreite auch zu Hause nicht einmal mit Lockenwicklern im Haar einher, sondern mache sich bewusst schön für ihren Mann. Der Mann bedanke sich mal wieder für das leckere Abendessen und lasse sich nach Genuss desselben nicht vor die Glotze fallen, sondern frage seine Liebste einmal nach Wünschen!
Höflichkeit hat etwas damit zu tun, anderen zu gewähren, dass sie da sind, sie zu bemerken und zu respektieren. Dies schließt solche Dinge mit ein, die man als selbstverständlich erachtet. Aber hören Sie mal in deutsche Familien hinein, wie es intern „abgeht“. Da gibt es derbe Geräusche am Esstisch wie zu Luthers Zeiten, da lässt man sich nicht ausreden, da ignoriert man die anderen, da gibt man sich unbeherrscht und ungehalten. Kinder schieben sich wortlos an ihren Eltern vorbei, gehen ihnen aus dem Weg, sehen durch sie hindurch und ignorieren ihre familiären Pflichten.
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