Das Glücksprinzip Nr. 7

»Behandeln Sie mich nicht so schlecht!«

Der Zweck der Artikel unserer Serie „Das Glücksprinzip“ ist es, das Leben und Miteinander der Menschen zu erleichtern. Nichts in diesem Artikel soll andeuten, Sie würden etwas verkehrt machen. Es geht nicht um Regeln oder Pflichten, sondern um Lebensweisheiten, Vorschläge und Anregungen zur Verbesserung des allgemeinen Lebensglücks, denen man nach freiem Gutdünken und eigenem Ermessen folgen kann – oder auch nicht. Wenn Sie diese Aktion begrüßen, kopieren Sie diesen Artikel und reichen Sie ihn an drei beliebige Mitmenschen weiter, an deren Wohl Ihnen etwas gelegen ist. Sollte dieser Artikel bereits in kopierter Form zu Ihnen gekommen sein, dürfen Sie dies als Kompliment werten: Es gibt jemanden, dem etwas an Ihnen und Ihrem Wohlergehen gelegen ist. So sollten Sie diese Geste auch bewerten – gegeben in freundlichem und freundschaftlichem Geiste. 

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»Erhebe deine Worte, nicht deine Stimme! Es ist der Regen, der die Blume wachsen lässt, nicht der Donner«

Rumi
Wie man diese Zeit übersteht
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Ein Artikel aus Depesche 23-24/2022

Die Menschen behandeln sich heutzutage gegenseitig allgemein ziemlich schlecht. Sie sind oft rücksichtslos, rechthaberisch, mies drauf, mürrisch, sie kritisieren viel, schimpfen – und Manieren sind etwas, das viele, wenn überhaupt, höchstens aus alten Spielfilmen kennen.

Wer steht heute in der U-Bahn noch auf, wenn eine ältere Dame eintritt? Wer hilft Damen noch aus dem Mantel? Wer kann noch etwas mit dem Namen „Knigge“ anfangen? Früher war es tabu, in der Öffentlichkeit zu streiten oder Alkohol zu trinken. Setzen Sie sich heute an einem Samstagabend auf meinen Balkon (in der Innenstadt): Wenn Sie da etwas anderes hören als Streit von Besoffenen, ist das eine Ausnahme. Mit der Allgegenwärtigkeit von Handys ist die Respektlosigkeit zu neuen Höhen aufgelaufen: Da unterhält sich einer, sein Handy klingelt (was an sich bereits unhöflich und unaufmerksam ist), dann schaut er auch noch drauf und lässt seinen Gesprächspartner stehen. Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Achtsamkeit, das Einhalten von Zusagen und Versprechen, Aufrichtigkeit, ehrliches Interesse am anderen – allesamt Fremdwörter früherer Epochen. 

Was allgemeine Umgangsformen, Manieren, Höflichkeit, Anstand und Respekt betrifft, ist es lehrreich, einmal Bedienungen in Restaurants zu befragen. Die Geschichten, die sie erzählen, lassen einen an der Menschheit zweifeln. Wenn da einer mal mehr als 10 Prozent Trinkgeld gibt, wird das heutzutage schon als Wunder betrachtet.   

Früher war wenigstens in der Geschäftswelt noch alles in Ordnung. Umgangsformen und Manieren wurden groß geschrieben. Neulich habe ich mir eine neue Winterhose gekauft. Ich war da nicht im Kaufhaus, nicht beim A&C, nicht bei M&H, nicht bei „kak“-artigen Discountern, nein, ich ging zu einem alteingesessenen Herrenausstatter in der Innenstadt. Als ich bezahlt hatte, bewegte ich mich Richtung Ausgang. Die Dame, die mich bedient hatte, eilte ebenfalls in Richtung Tür, ja sie legte einen regelrechten Sprint aufs Parkett. Ich dachte noch bei mir: „Was hat die Gute denn so Dringendes da vorne zu erledigen?“ Und wissen Sie was? Sie ist den ganzen Weg nach vorne gesprungen, nur um mir die Tür aufzuhalten!! Ich war so baff, dass mir der Unterkiefer auf den Boden gefallen ist, ich eine Sekunde lang nichts sagen konnte, nur um schließlich stammelnd hervorzubringen: „Sind Sie, äh, sind Sie jetzt wirklich den ganzen Weg da gerannt, nur um mir die Tür aufzuhalten?“ – „Ja, aber selbstverständlich! Vielen Dank für Ihren Einkauf!“ Ich war fix und foxi, völlig aus dem Häuschen, und mir fiel in diesem Moment auf, wie sehr uns gute Manieren (und andere frühere Selbstverständlichkeiten) heute abhanden gekommen sind. 

Wenn man vor 30 Jahren geflogen ist, wurde man behandelt wie ein König! Heute erlebt man bei jeder Busfahrt in Berlin besseren Service als bei der ... na, ich nenne jetzt keine Namen. Sie verstehen eh schon! 

Oder versuchen Sie mal, bei Ihrer Bank anzurufen, bei den Energiewerken oder bei Ihrem Telefonanbieter: „Wenn Sie ... möchten, dann drücken Sie bitte die 1, wollen Sie ... dann drücken Sie bitte die 2. Nun geben Sie bitte Ihre Kreditkartennummer ein, Ihren Geburtstag, Ihre PLZ, Ihre Hausnummer und Ihre Schuhgröße.“ Mit etwas Glück hängt man dann nur 40 Minuten in der Warteschleife mit strunzdummer Dödelmusik, bis schließlich jemand abnimmt: „Oh, mit diesem Anliegen sind Sie bei mir falsch, Moment, ich verbinde Sie ...“ – „Nein, bitte, halt ...!“ Und nochmals 30 Minuten Warteschleife.  Damals, als ich mein erstes Konto eröffnete, hatte ich noch eine persönliche Kundenberaterin. Wenn ich anrief, nahm sie sofort ab, erkannte mich an der Stimme und begrüßte mich freundlich mit meinem Namen! 

Dieser allgemeine Verfall ist ein Teufelskreis, denn wir neigen dazu, andere so zu behandeln, wie wir selbst behandelt werden. Ein Idiot am Morgen kann einem den ganzen Tag versauen. Ein Erlebnis mit einem mürrischen, missmutigen Zeitgenossen kann einem stundenlang nachhängen. Wir sind dann selber mies drauf und reagieren anderen gegenüber entsprechend. Es wird höchste Zeit, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. 

Wenn Sie also jemand schlecht behandelt, wenn Sie warten müssen, wenn jemand nicht pünktlich ist, schlechte Manieren hat usw., dann sagen Sie künftig einfach: „Behandeln Sie mich nicht so schlecht!“ Mehr nicht! Keine Erklärung, kein Nachsatz, keine Rechtfertigung, vor allem aber keine Diskussion. 

Ich erlebe es auch, dass Menschen, denen ein Fehler unterlaufen, denen ein Missgeschick passiert ist, die einen Job nicht gut gemacht, die eine Frist versäumt, die Murks gebaut oder sich selbst unangebracht verhalten haben usw., sich dann von anderen freiwillig fertig machen lassen. Sie bringen sozusagen von sich aus die Bereitschaft mit, sich schlecht behandeln zu lassen – oder laden andere regelrecht dazu ein.  

Ich verrate Ihnen etwas: Sie können in Ihrem Job, an Ihrem Arbeitsplatz den größten Mist der Weltgeschichte gebaut haben, aber das gibt Ihrem Chef keine Legitimation, Sie vor versammelter Mannschaft zusammenzuschreien, niederzumachen, Sie zu beleidigen, zu beschimpfen, Sie runterzuputzen, zu Kleinholz zu verarbeiten usw.  Nichts – ich wiederhole: nichts! – gibt einem Menschen je das Recht, einen anderen fertigzumachen! Merken Sie sich das!    

Nehmen wir an, Sie haben in der Firma wirklich richtig Mist gebaut. Der Chef brüllt und tobt mit hochrotem Gesicht – Ihr Fehler hat ihn wirklich viel Geld gekostet. Nun gut! Das ist die eine Sache. Die andere ist die, dass er Sie gerade anschreit, als wolle er einen Dezibel-Wettbewerb gewinnen. Er ist ganz heiser. 

Sie hören sich das eine Weile an und sagen dann: „Behandeln Sie mich nicht so schlecht!“ Junge, Junge, jetzt wird er richtig explodieren: „Müller, Sie kosten mich 100.000 Euro, und nun wagen Sie es, mir das entgegenzuschleudern?!? Sind Sie noch bei Trost?!“ – „Ja, Chef, ich habe einen schlimmen Fehler gemacht, aber wenn Sie glauben, dass dieser Fehler dadurch besser wird, dass Sie mich zusammenstauchen, dann sind offenbar Sie es, der nicht ganz bei Trost ist! Entlassen Sie mich, versetzen Sie mich oder – was vernünftiger wäre – geben Sie mir eine Chance, den Fehler wiedergutzumachen, aber hören Sie sofort auf, mich anzuschreien!“  

Junge, Junge – ich garantiere Ihnen, Sie werden Karriere machen. Sie werden zum Lieblingskind des Chefs. Das hat ihm noch keiner gesagt. Wenn er nicht gerade ein Psychopath ist (und Ihnen Ihr Fehler in Wirklichkeit deswegen passiert ist), wird er Sie ab diesem Zeitpunkt respektieren wie nie zuvor! 

Achten Sie in der folgenden Woche einmal gezielt darauf, wann, wie, wo usw. Sie schlecht behandelt werden – und schlecht bedeutet auch: Mit mangelndem Respekt, mangelnder Höflichkeit. Man lässt Sie warten. Oder jemand widmet sich anderen Dingen, während er mit Ihnen spricht. Durchbrechen Sie den Kreislauf und sagen Sie: „Behandeln Sie mich nicht so schlecht.“ Das ist sehr heilsam!   

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Von am 31.05.2026


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