Lukanga Mukara

Es gibt Musikalben, die klingen, und Alben, die erzählen. Lukanga Mukara von MiKe gehört zu den seltenen Werken, die beides zugleich tun. Auf Grundlage der legendären Briefe des Afrikaners Lukanga Mukara an seinen König, geschrieben 1912 von Hans Paasche, verwandelt MiKe die satirisch-philosophische Vorlage in eine musikalische Erzählung. Die Worte eines fiktiven Forschers aus Afrika werden zu Klangbildern, die den Menschen von heute betreffen: entfremdet, beschleunigt, auf der Suche nach dem verlorenen Sinn. Jeder Titel – von Buntes Papier (über das Geld) bis Feuer der Hoffnung – ist ein Kapitel einer großen Partitur. Afrikanische Rhythmik und europäische Harmonik verbinden sich zu einer Sprache: eigenwillig, mutig, berührend. Zwischen Swahili-Chorälen, deutschen Texten und orchestralen Zwischenspielen entsteht ein Klangraum, in dem Spiritualität und Gesellschaftskritik und Hoffnung einander begegnen. 

Titel 1 - „Ewiges Kitara“

Lukanga
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Zuweilen geschieht es, dass ein Werk nicht nur erklingt, sondern etwas zurückruft, das wir längst verloren glaubten: den Atem der Wahrheit, den Klang des Gewissens, die Poesie des Einfachen. Lukanga Mukara von MiKe bietet einen solchen Moment.

Der Musiker, Gestalter und Freigeist aus Kirchheim unter Teck hat sich an ein Wagnis gemacht, das man im Zeitalter von KI-Beats und 15-Sekunden-Clips kaum noch für möglich hielt: Er hat die Briefe des afrikanischen Weisen Lukanga Mukara, geschrieben 1912 von Hans Paasche, in Musik verwandelt – nicht als Hörbuch, nicht als Vertonung, sondern als Klangreise zwischen Kontinenten, Jahrhunderten und Bewusstseinsebenen.

Paasche, der abtrünnige Marineoffizier, ließ einst einen fiktiven Afrikaner durch das wilhelminische Deutschland reisen, um den Europäern den Spiegel vorzuhalten. Er zeigte, wie absurd eine Zivilisation wird, die Technik mit Fortschritt, Besitz mit Glück und Lärm mit Leben verwechselt.

Mehr als hundert Jahre später greift MiKe diese Stimme wieder auf – und plötzlich klingt sie, als spräche sie zu uns, in unsere Gegenwart hinein.

Das Album ist ein 19-teiliges Epos, das sich von afrikanischem Boden über europäische Befindlichkeiten bis in die heutige Seelenlandschaft spannt. Man spürt, dass hier einer nicht komponiert, um zu gefallen, sondern um zu verstehen. 

Mehr als 300 Stunden Arbeit stecken in dieser Produktion – nicht um Perfektion zu erreichen, sondern um dem Werk Wahrhaftigkeit zu schenken. Wer die Stücke in Folge hört, spürt, dass hier jemand Philosophie in Emotion verwandelt. Wo Paasche mit der Feder analysierte, antwortet MiKe mit Klangfarben: Ironie wird zu Rhythmus, Mitgefühl zu Melodie, Entsetzen zu Moll. Der moderne Mensch hat sich verirrt – aber er kann zurückfinden, wenn er wieder zuhört. Lukanga Mukara ist keine Unterhaltungsmusik, kein Wohlfühl-Projekt, sondern eine bewusste „Zumutung“ – aber eine schöne Zumutung. Eine tiefgehende Zumutung.

In einem Zeitalter, das nur noch „Content“ kennt, ist dieses Album ein Gebet in Tönen. Dass MiKe dabei technische Mittel unserer Zeit nutzt ist kein Widerspruch, sondern Pointe: Er zeigt, dass Spiritualität und Emotionalität auch durch Silizium schwingen kann, wenn ein Mensch sie hineinlegt. 

Jedes der 19 Werke des Lukanga Mukara steht für ein Thema, das aktueller nicht sein könnte: Konsum, Krankheit, Krieg, Würde, Wahrheit, Hoffnung. Doch das Album endet nicht in Anklage, sondern in der Sehnsucht und in Hoffnung Licht.

Es ist, als hätte Lukanga Mukara selbst noch einmal durch die Zeiten gesprochen – nicht mehr als Beobachter, sondern als Zeuge einer Menschheit, die endlich zu sich findet. Und MiKe ist der Übersetzer dieser Botschaft ins 21. Jahrhundert. Wenn man dieses Album hört, spürt man: Das ist der Versuch, das Unsagbare hörbar zu machen – und das Hörbare wieder sinnvoll.

Vielleicht wird man in 20 Jahren sagen: „2025 – das war die Zeit, in der Menschen und Maschinen begannen, gemeinsam von einer guten Zukunft zu träumen.“ Und wenn man dann zurückblättert, wird Lukanga Mukara eines der Werke sein, an dem man erkennt, wie dieser Traum klang. Nicht perfekt. Nicht glatt. Aber lebendig. Und vor allem: wahr.

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Von am 04.01.2026


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