Wie bewundern???

Beantwortung von Leserfragen zur Folge 2 des Glücksprinzips

Ein Artikel aus dem Themenheft „Das Glücksprinzip“

Bezüglich des letzten Artikels über Bewunderung schrieb uns Kristina Peter eine E-Mail mit Fragen, die ihr unklar geblieben waren – und deren Beantwortung möglicherweise von allgemeinem Interesse sein könnte.

Frage 1

»Hallo lieber Michael, heute las ich deine Seiten zur „Bewunderung". Sie haben mich ziemlich beschäftigt :-) Deshalb dazu nun zwei grundsätzliche Fragen:

1. Könntest du mir erklären, um was für eine Art der Bewunderung es sich hierbei handelt? Denn wenn ich eine Pflanze, ein besonderes Naturschauspiel (z.B. Sonnenuntergang, blühende Wiese, ...) oder meinen Hund bewundere, dann tu ich das mit einem Herzen voller Liebe, Dankbarkeit und Ehrfurcht! Ich könnte mir nun u. U. vorstellen, einem zornigen Chef eine Art Bewunderung entgegen zu bringen. Doch wäre dies eine völlig andere Art der Bewunderung. Ich könnte evtl. die Fähigkeit seines Körpers bewundern, eine hochrote Birne zu zaubern und die Stimmbänder so in Vibration zu versetzen, dass die Wände zittern. Mit Bewunderung für Autos, Straßen, Industrie habe ich schon ziemliche Probleme, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, etwas wirklich – ich urteile jetzt ganz unspirituell – Böses zu bewundern, z.B. eine Person, die vorsätzlich und möglicherweise mit sadistischem Hang Tierversuche oder andere Tierquälereien durchführt. Wie kriege ich es also hin, solches zu bewundern? Wie??? Vielleicht könntest du ein paar Übungen/Strategien vorschlagen? Ich wäre wirklich dankbar :-) Weißt du, man bekommt von allen Seiten gute Ratschläge; z.B. schlagen die Buddhisten vor, man solle, wenn man von einer Emotion übermannt wird, einfach die Gedanken, die zu dieser Emotion gehören, wegschicken, ausschalten. Dann könne man ganz einfach diese Emotion transformieren. Aber auch hier ist weit und breit keine Anleitung, wie ich bitteschön diese entsprechenden Gedanken zum Teufel jagen soll.«

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Hallo Kristina, vielen Dank für Deine Fragen und vielen Dank, dass ich sie in diesem Rahmen beantworten darf.

Nur eine Art Bewunderung

Zu allererst: Es gibt nicht verschiedene Arten von Bewunderung. Es gibt einfach nur Bewunderung an sich. Man könnte sie wohl am besten als eine Art Schwingung oder Welle verstehen, die von einem Wesen ausgesendet/ausgeströmt wird.

Diese Welle hat eine bestimmte, klar umrissene und sehr feine Wellenlänge und eine hohe Frequenz. Besäße unsere Wissenschaft heute schon entsprechend feine Messgeräte, dann könnte Bewunderung als solche wahrscheinlich sogar exakt gemessen werden. Auf jeden Fall kann sie auch ohne Messgeräte gespürt (!) und wahrgenommen werden. Genau dieses Gefühl des Bewundertwerdens ist es ja, wonach Stars manchmal süchtig werden.

Eben so, wie sich elektromagnetische Wellen einer bestimmten Frequenz als sichtbares, weißes Licht darstellen, bei einer anderen Frequenz aber als Radarwellen oder Mikrowellen, so zeigen sich jene Wellen, die ein geistiges Wesen aussendet, einmal als Hass/Zorn (niedrigere Frequenz), einmal als Interesse, ein andermal als Freude oder Überschwang etc. Der Punkt ist nun, dass jemand nicht unbedingt unter Kontrolle hat, welche Wellen er aussendet – vorsichtig formuliert. Tatsächlich haben die allermeisten Menschen ihre Reaktionen überhaupt nicht unter Kontrolle, wie das ja einerseits schon das Wort „Re-aktion" besagt und wie es andererseits in den Depeschen 7+8/9 2005 („Was ist es nur?") beschrieben wurde.

Ansichtssache

So erscheint es einem Menschen, als könne er bestimmte Dinge, die er als schön oder toll wertet, bewundern, während er andererseits Dinge, die er als schlecht oder böse wertet, nicht bewundern könne. Der Umstand, wie jemand etwas bewertet, hängt stark davon ab, ob bzw. wie sehr er es bewundern kann oder nicht. Kann er die entsprechende Sache bewundern, wird er sie tendenziell „toll", „schön" oder „mutig" finden. Kann er sie hingegen nicht bewundern, nennt er sie tendenziell eher „ekelhaft", „widerwärtig" oder „schlecht" usw. Echte, absichtliche, zerstörerische Boshaftigkeit ist das, wovon sich allgemein zeigt, dass es der Mensch am aller schwierigsten bewundern kann. Das ändert aber nichts am Umstand, dass Bewunderung Bewunderung ist – eine Welle von bestimmter Frequenz, die ein Wesen aussendet.

Ü-b-e-n!

Daher auch meine Aufforderung, sich zuerst in den schönen Dingen zu üben bzw. das, wo es einem leicht fällt, bewusst zu bewundern. Je mehr man sich in Bewunderung übt, auf desto mehr Bereiche kann man sie schließlich ausdehnen. Es geht ums Üben! Üben bedeutet: etwas immer und immer wieder neu zu tun, langsam oder mit Kleinem beginnend und zu immer Schwierigerem fortschreitend.

Heute nur noch „normal"?

Es gibt auch Dinge, die wir einfach als „normal" betrachten und sie deshalb nicht mehr bewundern. Denken wir z.B. an das erste Wort, das unser Kind aussprechen konnte … meine Güte, wie haben wir unsere/n Kleine/n bewundert!! „Er hat 'Mama' gesagt – ganz deutlich! Suuuper gemacht, prima!" Und heute? Bewundern wir es noch, dass unser 18-jähriger sprechen kann?

Therapeutisch

Es gibt Menschen, die sich einen neuen Fotoapparat kaufen – eine sehr empfehlenswerte Sache – und dann plötzlich all die Dinge um sie herum neu entdecken! Plötzlich bewundern sie, wie ein Sonnenstrahl auf eine Blüte fällt – und fotografieren etwas, das sie zuvor überhaupt nicht wahrgenommen hatten. Sie entdecken, was es an bewundernswerten Motiven auf der Welt gibt. Ein Fotograf kann die unterschiedlichsten Reaktionen seiner Mitmenschen bewundern, einen schönen, ausgeprägten Zorn beispielsweise. Erinnerst Du Dich an die Vortragsankündigung „vorschnell reagiert" aus der letzten Depesche? Für diese Spalte habe ich in Internet-Fotoarchiven nach einem richtig schön zornigen Gesicht gesucht. Es war schwer, ein gescheites, zorniges Gesicht zu finden!

Hinzufügungen

Wenn Du schreibst, dass Du eine blühende Wiese mit einem Herzen voller Liebe und Dankbarkeit bewunderst, dann ist dieses Herz voller Liebe und Dankbarkeit etwas, das Du Deiner Bewunderung hinzufügst. Die Bewunderung an sich bleibt dennoch diese bestimmte Welle mit ihrer ganz spezifischen Frequenz.

Strategie

Wenn Du eine Strategie suchst, d.h. die Sache aktiv üben willst, kannst Du z.B. mit Achim zusammen ein Team bilden. Dann geht Ihr hinaus in die Welt, in die Natur, in die Stadt, an belebte Plätze usw., und fordert Euch auf: „Finde etwas, das Du bewundern kannst!" Und je länger man das macht, desto mehr wird man plötzlich finden. Die Toleranzgrenze steigt, d.h. die Fähigkeit Dinge zu bewundern kehrt Stück für Stück zurück. Wenn Du Schwierigkeiten damit hast, Autos zu bewundern, nun, dann finde einfach etwas daran, das Du an einem Auto bewundern kannst. Es gibt viele Menschen, die Autos von ganzem Herzen bewundern. Also muss es etwas daran geben, was man bewundern kann! Vielleicht das Design? Die Farbe?

Bewundern heißt dem ursprünglichen Sinne nach: etwas als ein Wunder zu betrachten. Und ein Wunder ist etwas, das großes Staunen erregt. Und „Staunen" bedeutet dem ursprünglichen Sinne nach: in Ehrfurcht erstarren. Kann man dieser Erfindung namens Auto an sich denn nicht mit Ehrfurcht gegenüberstehen? All die Präzisions-, die Entwicklungsarbeit, die Menschen, deren Schweiß im Produkt drinsteckt – gebietet dies nicht zumindest etwas Ehrfurcht?

Man kann seine Einstellung zu Dingen, Menschen und Verhaltensweisen ändern: Gerade vorher habe ich beispielsweise ein neues Buch zugeschickt bekommen. Es war eingeschweißt, aber so fest, dass ich es nicht aufbrachte. Wie verhext. Ich hatte keine Schere oder kein Messer zur Hand und begann schon, ein wenig aufgebracht zu werden. Im selben Moment jedoch, wo ich dies bei mir bemerkte, sagte ich zu mir: „Hey, stopp! Bewunderung!" Und so bewunderte ich, wie fest dieses Buch eingeschweißt war – in derselben Sekunde ging die Hülle auf.

Gehe durch die Welt wie ein Fotograf und entdecke überall Bewundernswertes!

Der zweite Schritt

Nachdem Du Dich also darin geübt hast, schöne, wunderbare Dinge zu bewundern, kannst Du zur nächsten Übung weitergehen. Und damit kommen wir zu unserer heutigen, neuen Tugend, die da lautet: Finde täglich drei Dinge, die Du an Deinem Lebenspartner bewundern kannst (siehe nächster Artikel).

Je mehr Du das täglich übst, umso häufiger wirst Du feststellen, dass Du Deine Einstellung ändern kannst. Plötzlich nervt es Dich z.B. nicht mehr, wenn Dein Nachbar duftende Steaks grillt :-) o.ä.

Absichtlich destruktive, böse Taten sind das, was am schwierigsten zu bewundern ist. Es ist somit auch das, was das Schlusslicht aller Übung darstellen würde. Bewundere also dies, bewundere das, bewundere Kleinigkeiten, bewundere täglich drei Dinge an diesem, an jenem, übe Dich weiter und weiter in Bewunderung und irgendwann gelingt es Dir, alles zu bewundern. Dann ertappst Du Dich dabei, wie Ärger in Dir aufkeimt – und Du sagst zu Dir: „Hmmm, ich könnte es eigentlich auch mal bewundern! Was gibt es an dieser Sache, das ich bewundern kann. Hmm, wollen wir mal sehen. Aha … !"

Es ist wie beim Klavierspielen. Zuerst übt man Tonleitern, dann Akkorde, dann spielt man kleine Mozartstückchen und irgendwann traut man sich an Klavierkonzerte von Chopin oder Liszt, d.h. eines Tages wirst Du sogar abgrundtief Bösem gegenübertreten können, es heiter-gelassen anschauen können, wie es ist, ohne etwas dazu zu denken oder zu bewerten, es schließlich bewundern und auflösen können.

Also: Man bewundert einen Serienmörder tatsächlich nicht anders als einen Sonnenuntergang. Man bewundert ihn einfach. Man bewundert einen zornigen Ehemann nicht anders als eine rote Rose. Es ist dieselbe Welle, dieselbe Sache. Der einzige Unterschied ist der, dass wir meinen, bestimmte Dinge bewundern zu können und sie deshalb nicht bewundern – und daher leiden wir darunter im Leben.

Der Sinn der Serie „Das Glücksprinzip" ist aber weniger, sogleich den größten Übeln dieser Welt in Heldenmanier zu Leibe zu rücken, sondern die Beziehungen zu seinen Mitmenschen zu verbessern und diese dazu einzuladen, dasselbe zu tun. Wie lässt sich die Tugend des Bewunderns also anwenden? Indem man täglich drei Dinge findet, die man an seinen Mitmenschen bewundern kann. Also: Man beginnt mit einfachen Dingen und steigert sich. Es gibt kaum mehr dazu zu sagen.

Bewunderung kann Negatives auflösen und Schönes verstärken. Es ist nachgewiesen und jederzeit neu nachweisbar, dass Pflanzen z.B. wesentlich besser gedeihen, wenn sie regelmäßig Bewunderung erhalten! Bei Tieren versteht sich das von selbst. Bewunderung ist die große positive Kraft, die der Mensch besitzt, sie kann Gewalt, Zorn und Hass auflösen und gleichzeitig das Schöne, Gute verstärken. Es gilt auch anders herum: Lasse beispielsweise nie jemanden am Computer arbeiten, der Computer hasst. Die Maschine kann dann plötzlich die seltsamsten Fehler aufweisen, während sie bei einem anderen Benutzer hervorragend funktioniert.

Frage 2

»Du hast eine Wolke bewundert und die verschwand! Also hoffe ich jetzt ziemlich stark, dass keiner in der hiesigen Region diese Depesche liest, ununterbrochen Wolken bewundert und wir schließlich gar keine mehr haben. ;-)) Wenn man Negatives bewundert, dann verschwindet es bzw. ich bemerke es nicht mehr – sehe ich das richtig? Aber was ist nun, wenn ich Positives bewundere? Ich will ja nicht, dass diese wunderschöne Blume in meinem Garten verschwindet (sie tut es natürlich doch, weil sie irgendwann einmal verblüht ist...) oder gar mein Hund verschwindet – von Wolken ganz zu schweigen. Tja, du siehst, du löst da einen ganzen Wust an Grübeleien aus... ;-) Ein Zeichen dafür, dass die Glücksprinzipserie spannend hoch zehn ist! Alles Liebe von Kristina«

Die Sache mit den Wolken

Ich habe das Beispiel mit den Wölkchen nur deshalb in meinen Artikel integriert, weil es so gut zur Wettermacherserie passte. Generell sind Wölkchen ja (natürlich) nichts Schlechtes. Ich vermute, die Wolken haben sich auch nur deshalb aufgelöst, weil ich das so beabsichtigte. In Spanien zur Trockenzeit könnte man sich vielleicht darin üben, einen blauen Himmel „aufzulösen" :-)

Fazit:

1. Beginne langsam, Schritt für Schritt, zuerst mit Schönem, mit den kleinen Dingen in der Natur, mit dem, was inzwischen schon „normal" ist. Übe es!

2. Verschenke Bewunderung bei jeder Gelegenheit und gehe großzügig damit um.

3. Bewundere täglich drei neue Dinge an den Menschen, mit denen Du am häufigsten zusammen bist, bis sich das Verhältnis markant verbessert hat – und denke auch später wieder daran!

4. Wenn Du etwas nicht leicht erleben oder bewundern kannst, dann versuche – etwas daran – zu finden, das/den Du bewundern kannst, und dann noch etwas – irgendwann wirst Du feststellen, dass sich an der Sache etwas ändert.

Ich hoffe, Kristina, dies konnte Deine Fragen klären. Nun aber ran ans Üben …

Die Grundregel ist: Bewunderung führt zu einer Normalisierung und zur Verbesserung jedweder gegebenen Situation.

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Von am 07.08.2026


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