Lebensinsel Casamance
Aus der Vision wird Wirklichkeit
Reisen wir nun aus der eisigen Kälte Estlands geradewegs in die tropische Hitze des südlichen Senegal – in die Casamance. Depeschenautorin Lucy Maschler beschrieb noch im November ihre Vision einer dortigen Lebensinsel. Aus Visionen, an denen man festhält, werden Tatsachen, wie uns Lucys heutiges Update einmal mehr vor Augen führt.
Ein Artikel aus Depesche 12-14/2022 von Lucy Maschler
Liebe Mitmenschen, im November letzten Jahres hatte ich die Möglichkeit, im Rahmen der Depesche „Zufluchtsort“ meine Vision von einer Lebensinsel mit Euch zu teilen. Damals war es nur ein Wunsch, eine Idee, ein Gedanke, der in mir schlummerte und über das aufgeschriebene Konzept den ersten zaghaften Schritt in Richtung Realisation machen konnte. Seitdem sind acht Monate vergangen, und ich freue mich, Euch heute von der Weiterentwicklung des Projektes berichten zu können.
Für mich als Initiatorin ist es äußerst faszinierend zu sehen, wie sich erst eine Sehnsucht nach dieser Lebensinsel Casamance in mir ausgebreitet hat – und dieser innige Wunsch, eine solche aufzubauen, sich nun nach und nach im Äußeren, also in der 3D-Welt, manifestiert.
Ich hatte übrigens keinerlei Ahnung, wie ich ein solch großes und aufwendiges Projekt beginnen soll – nur das unbedingte Gefühl in mir, dass die Zeit dafür reif ist und es meine Aufgabe ist, mich um das Gelingen zu kümmern. Doch was die geistige Welt uns allen seit Jahren schon mitteilt, nahm auch ich mir zu Herzen: Ich habe Vertrauen in das Gelingen des Ganzen, da es zum Wohle aller ist.
Ich habe Vertrauen, von der geistigen Welt geführt zu werden. Da ich das große Ganze und die Entwicklungen auf dieser Welt nicht im geringsten überblicken kann, gehe ich Schritt für Schritt und schaue jeden Tag aufs Neue, was heute „dran ist“. Und siehe da – es funktioniert!
Das Faszinierendste an diesem Projekt ist, tatsächlich zu sehen, welche Ereignisse, Menschen, Ideen genau zur rechten Zeit an den rechten Ort treten und auf diese Weise das Projekt Schritt für Schritt voranbringen.
Als ich zum Beispiel im Februar dieses Jahres im Senegal war, hatten wir nur drei Tage Zeit, um in der Casamance ein Grundstück zu finden. Wie soll ich in drei Tagen nicht nur ein passendes, sondern das perfekte Terrain finden? Da bleibt nichts anderes, als zu vertrauen und sich zu sagen: Wenn es sein soll, wird das Unmögliche geschehen. Und voilà – so war es dann tatsächlich.
Wir haben ein Terrain gefunden bzw. es hat uns gefunden – denn es war ja schon immer da und hat nur darauf gewartet, von uns „entdeckt“ zu werden.
Dieses Grundstück ist einfach nur ein Traum. Direkt an der senegalesischen Grenze zu Guinea-Bissau liegt es abseits von größeren Straßen und doch in unmittelbarer Umgebung zum Meer, das man an einigen Stellen tatsächlich in der Ferne rauschen hört.
Der Touristenort Cap Skirring mit Hotels, Restaurants und Supermärkten nach europäischem Standard und einem beeindruckend schönen Strand befindet sich nur wenige Kilometer im Nordwesten. Dazwischen liegt das kleine und sehr traditionsträchtige Dorf Kabrousse.
Am herrlichen Sandstrand von Cap Skirring trifft man manchmal auf spezielle Gäste
Das Gelände ist abseits vom Dorf zwischen Reisfeldern, Savanne und ein wenig Busch gelegen. Ein Bolong, ein Salzwasserflussarm mit seinen von Mangroven gesäumten Ufern, stellt auf der anderen Seite eine natürliche Grenze dar. Der Großteil des Grundstücks, das ca. 20 ha umfasst, ist von einem wunderschönen Palmenwald bestanden (Titelfoto).
Kurzum, es ist ein paradiesischer Flecken auf Erden, komplett abgeschieden und doch gerade mal eine gute Viertelstunde vom Flughafen in Cap Skirring entfernt. Und das Beste: Das Grundstück selbst gehört einem Freund von uns, Momo, der es uns und dem Projekt kostenfrei zur Verfügung stellt.
Momo und ich bemühen uns seit April, eine senegalesische Stiftung (foundation) ins Leben zu rufen. Da dieses Vorhaben etwas länger dauert, haben wir uns kürzlich entschlossen, vorerst einen senegalesischen Verein (association) zu gründen, womit Momo bereits gute Erfahrungen gemacht hat. Diesem Verein „Ile de vie Casamance“ wird dann das Grundstück auf unbefristete Zeit zur Verfügung gestellt.
Doch auch in Deutschland tut sich was. Ich habe ein Video über die Vision bzw. das Projekt erstellt und auf YouTube veröffentlicht – und darüber sowie auch über andere Gruppen Interessierte und Mitstreiter für das Projekt gefunden. Es gibt tatsächlich Menschen, die genauso verrückt, unternehmungs-lustig und mutig wie ich sind und gemeinsam vor Ort und im Einklang mit der Natur dieses Gemeinschaftsprojekt von Grund auf erschaffen wollen.
Um dort „im Busch“ die ersten Wochen überhaupt leben zu können, brauchen wir allerdings vor allem eines: Süßwasser. Dementsprechend hat Israel, unser Koordinator vor Ort in Kabrousse, noch vor Beginn der im Juli einsetzenden Regenzeit innerhalb von nur zwei Wochen einen Brunnen bauen lassen.
Ein tolles Brunnenbauteam aus Ziguinchor hat ohne Hilfe von Maschinen, Motoren, Strom oder Zugtieren, nur mit reiner Handarbeit und Muskelkraft, einen circa sechs Meter tiefen Brunnen gebaut. Auch dazu gibt es ein Video.
Beide Videos sind auf Youtube auf dem Kanal Lebensinsel Casamance unter „Es ist Zeit für einen Neubeginn“ und „Wasser ist Leben – Unser Brunnen in der Casamance“ zu finden.
Bild 1: Der neue Brunnen auf dem Gelände. Bild 2: Einbaum auf einem Bolong (Salzwasserfluss). Bild 3: Der Palmenwald auf der Lebensinsel.
Ja, und bis Anfang August sollte auch endlich unsere Webseite lebensinsel-casamance.de fertig und online gestellt sein. Dort findet man dann neben vielen anderen relevanten Informationen rund um das Projekt vor allem auch die drei Kategorien: „Sei online dabei!“, „Sei live vor Ort dabei!“ und „Sei Unterstützer!“ Denn darum geht es im Besonderen bei der „Ile de vie“: Dabei sein können und auf viele verschiedene Weise Unterstützer, Ideengeber, Begleiter oder Teilnehmer, kurz Part des Projektes sein zu können. Denn es ist nicht mein Projekt, sondern UNSER Projekt.
Die ersten von uns planen bereits und erstellen Packlisten, um ab Oktober 2022, wenn die Regenzeit vorbei ist, in die Casamance zu fliegen und dort für zwei bis drei Monate tatkräftig mit anzupacken. Ab Oktober wird es dann – inchallah, wie die Senegalesen zu sagen pflegen – regelmäßig neue Videos von unserem Leben, Bauen, Pflanzen und Werkeln dort geben, damit ihr dabei sein und miterleben könnt, wie unser Projekt wächst und gedeiht – auch wenn Ihr 7.000 Kilometer entfernt in Deutschland seid.
Denn wir wollen mit unserem Handeln ein Beispiel setzen: Was wir können, könnt Ihr auch, jeder auf seine Art und Weise, ein jeder mit seinen Talenten, Fähigkeiten, Mitteln und Ideen. Deswegen möchten wir Euch an all unseren Erfahrungen teilhaben lassen. Damit Ihr mit uns lachen und Euch freuen, mit uns zittern und bangen und schwitzen und mitfühlen und so weiter und so fort könnt. Damit Ihr nach einiger Zeit so viel Lust bekommt, etwas Ähnliches (oder ganz anderes) zu starten, dass Ihr kaum noch erwarten könnt, damit endlich anzufangen. In diesem Sinne, genießt den Sommer!
Lucy Maschler
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